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Recht / Zivilrecht 
Dienstag, 20.09.2022

Ferienclub ohne Strandzugang, Pool, Wellness, Tennis oder Bistro in der Corona-Pandemie

Das Landgericht Frankfurt entschied in einem rechtskräftigen Urteil, dass die Schließungen und Einschränkungen in einem Ferienclub während der Reisezeit Reisemängel darstellen und zur Minderung des Reisepreises berechtigen. Die Einschränkungen aufgrund der Pandemie seien nicht dem sog. allgemeinen Lebensrisiko des Reisenden zuzuordnen, sondern sie beträfen das unmittelbare Leistungssoll des Reiseveranstalters (Az. 2-24 S 119/21).

Im Streitfall buchte der Kläger für seine Ehefrau und sich Anfang März 2020 eine Reise in einen Club der Beklagten nach Fuerteventura inklusive Flug ab Stuttgart für die Zeit vom 14.03.2020 bis 28.03.2020 in Höhe von 3.600 Euro. Wegen der Corona-Pandemie wurden behördliche Anordnungen erlassen, aufgrund derer im Club ab dem zweiten Reisetag der Strandzugang geschlossen wurde, tags darauf der Wellnessbereich, danach die Poolanlage und schließlich auch die Tennisplätze und das clubeigene Bistro. Außerdem ging das Hotelmanagement ab dem 16.03.2020 dazu über, die Anlage zu renovieren. Es kam zu erheblichem Baulärm und vor dem Bungalow der Eheleute wurde zudem ein Materialumschlagplatz angelegt, von dem ebenfalls großer Lärm ausging. Gegenüber der Reiseleitung vor Ort rügte der Kläger den Baulärm, das Fehlen des Meerzugangs und die Sperrung des Wellnessbereichs. Am 20.03.2020 teilte die Beklagte dann mit, dass die Reise ab dem 21.03.2020 abgebrochen werde. Die Eheleute wurden auf einem Flug nach Frankfurt anstelle nach Stuttgart zurück nach Deutschland gebracht und zwar in der Economy-Class und nicht in der ursprünglich gebuchten Premium Economy-Class. Aufgrund von Reisemängeln verlangte der Kläger eine Minderung des Reisepreises und zwar umgerechnet auf die betroffenen Tage je 20 % des Tagespreises für den gesperrten Meerzugang und die Schließung des Wellnessbereichs, für die Poolsperre und die geschlossenen Tennisplätze je 10 %, für den Lärm und die geschlossene Snackbar je 5 %, weiter 10 % für die Herabstufung in die Economy-Class sowie 5 % für die Beförderung nach Frankfurt statt nach Stuttgart. Ab dem 21.03.2020 verlangte er den Reisepreis für die nicht erfolgten Reisetage vollständig zurück. Die Beklagte bot ihm Gutscheine an, welche der Kläger ablehnte.

Das Landgericht bejahte die Klageforderung überwiegend. Nach Auffassung der Richter stellten die Schließungen und Einschränkungen im Club der Beklagten Reisemängel dar und berechtigten zur Minderung in geltend gemachter Höhe, denn die Einschränkungen aufgrund der Pandemie sind nicht dem sog. allgemeinen Lebensrisiko des Reisenden zuzuordnen, sondern sie betreffen das unmittelbare Leistungssoll des Reiseveranstalters. Wenn der Veranstalter bestimmte Nutzungsmöglichkeiten verspreche, trage er die Gefahr des Gelingens der Pauschalreise und nicht der Reisende. Für die verlorenen Urlaubstage nach Abbruch der Reise schulde die Beklagte außerdem vollen Ersatz. Mangels Abhilfemöglichkeiten sei es unerheblich, ob der Kläger neben dem Baulärm auch alle coronabedingten Einschränkungen vor Ort gerügt habe – der Veranstalter hätte ohnehin nicht abhelfen können. Anders sei es bezüglich des „Downgrades“ auf dem Rückflug in die Economy-Class: der Kläger habe nicht dargetan, dass die Beklagte ein Umsetzen oder eine Umbuchung tatsächlich abgelehnt habe, sodass dafür keine Minderung verlangt werden könne.

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