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Recht / Arbeits-/Sozialrecht 
Montag, 20.06.2022

Bei anhaltenden Beschwerden muss Krankenkasse Kosten für Brustverkleinerung übernehmen

Bei anhaltenden Brust- und Halswirbelsäulenbeschwerden kann im Einzelfall ein Anspruch auf eine Brustverkleinerung bestehen. Dann muss die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernehmen. So entschied das Sozialgericht Karlsruhe (Az. S 16 AS 2698/20).

Bei der 42-Jährigen Klägerin besteht bereits seit Abschluss des Brustwachstums eine Mammahyperplasie (vergrößerte Brust) beidseits. Sie leidet unter anderem an chronischen Schmerzen in der Hals- und Brustwirbelsäule. Die zunächst durchgeführte Krankengymnastik und insbesondere intensives spezielles Rückenkräftigungstraining sowie eine ambulante Schmerztherapie führten nicht zur Linderung der Beschwerdesymptomatik. Nachdem die behandelnden Ärzte, insbesondere die Gynäkologin und der Orthopäde, die Indikation für eine Brustverkleinerungs-Operation bejahten, beantragte die Klägerin diese bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse. Die Krankenkasse der Klägerin war jedoch nicht bereit, die Kosten zu übernehmen.

Das Gericht gab der Klägerin Recht. Zwar ergebe sich nicht allein im Hinblick auf die Größe der Brüste an sich eine behandlungsbedürftige Krankheit. Allerdings bestünden anhaltende Brust- und Halswirbelsäulenbeschwerden, wofür (auch) die Größe der Brüste ursächlich sei. Eine Heilung der Krankheiten durch die Brustverkleinerung sei zwar nicht möglich, aber deren Verschlimmerung könne hierdurch verhütet und Beschwerden gelindert werden. Alternative Therapieoptionen bestünden nicht. Mit der von der Beklagten empfohlenen Gewichtsabnahme könne die zu entfernende Brustgewebsmenge pro Seite nicht erreicht werden. Ambulante Möglichkeiten seien ausgeschöpft.

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